Onlineshop erstellen: Leitfaden für Händler in Deutschland
Ajdin PodrinjaGründer von Grow · 7 Jahre Erfahrung in Marketing und WebVeröffentlicht 06.10.2026
Onlineshop erstellen lassen oder selbst bauen? Shopsysteme im Vergleich, Rechtliches (Widerrufsbelehrung, Button-Lösung, Preisangaben, BFSG), Zahlungsarten, Versand und realistische Kosten.

Deutschland ist einer der größten E-Commerce-Märkte Europas — und einer der anspruchsvollsten. Kunden erwarten schnelle Seiten, vertraute Zahlungsarten und transparente Versandkosten; der Gesetzgeber erwartet saubere Rechtstexte. Dieser Leitfaden zeigt, welche Entscheidungen Sie vor dem Start treffen sollten.
Schritt 1: Das passende Shopsystem
| System | Geeignet für | Vorteile | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Shopify | Start und Wachstum ohne eigene Technik | Schnell startklar, stabil, viele Apps | Monatliche Gebühren plus App-Kosten, Transaktionsgebühren ohne Shopify Payments |
| WooCommerce | Bestehende WordPress-Websites | Flexibel, keine Lizenzkosten | Wartung und Performance liegen bei Ihnen |
| Shopware | Mittelstand, B2B, komplexe Sortimente | Deutscher Anbieter, stark im B2B | Höherer Einrichtungsaufwand |
| Individueller Shop (Headless) | Besondere Abläufe, hohe Ansprüche an Tempo | Maximale Freiheit und Ladezeit | Höhere Anfangsinvestition |
Schritt 2: Rechtliche Pflichten
Für Shops, die an Verbraucher verkaufen, gelten in Deutschland besonders viele Informationspflichten. Die wichtigsten:
- Impressum und Datenschutzerklärung (siehe unseren Artikel zu den Pflichtangaben)
- Widerrufsbelehrung mit Muster-Widerrufsformular — Verbraucher haben 14 Tage Widerrufsrecht. Seit dem 19. Juni 2026 ist zusätzlich eine elektronische Widerrufsfunktion („Widerrufsbutton“) vorgeschrieben.
- Button-Lösung (§ 312j BGB): Der Bestellbutton muss eindeutig beschriftet sein, z. B. „zahlungspflichtig bestellen“
- Preisangaben nach PAngV: Endpreise inklusive Mehrwertsteuer, Versandkosten vor dem Warenkorb, Grundpreis bei Mengenware
- AGB mit Regelungen zu Vertragsschluss, Lieferung und Zahlung
- Verpackungsgesetz: Registrierung im Verpackungsregister LUCID und Systembeteiligung vor dem ersten Versand
- Barrierefreiheit nach BFSG für B2C-Shops — Kleinstunternehmen (< 10 Beschäftigte, ≤ 2 Mio. € Umsatz) sind ausgenommen
Für Rechtstexte empfehlen wir Händlerbund, IT-Recht Kanzlei oder Trusted Shops — sie liefern abmahnsichere Texte und aktualisieren sie bei Gesetzesänderungen automatisch.
Schritt 3: Zahlungsarten
Deutsche Kunden zahlen anders als Kunden in den USA oder Großbritannien. Fehlt die bevorzugte Zahlungsart, bricht ein großer Teil den Kauf ab.
| Zahlungsart | Warum wichtig |
|---|---|
| PayPal | Für viele die Standardzahlung online, hohes Vertrauen |
| Kauf auf Rechnung (z. B. über Klarna) | Traditionell sehr beliebt, senkt die Hemmschwelle bei Neukunden |
| Kredit- und Debitkarte | Pflicht für internationale Kunden |
| SEPA-Lastschrift | Günstig, verbreitet bei Abos |
| Apple Pay / Google Pay | Schnellster Checkout auf dem Smartphone |
Schritt 4: Versand und Retouren
Kommunizieren Sie Versandkosten und Lieferzeit früh — am besten schon auf der Produktseite. Eine Versandkostenfrei-Grenze erhöht den durchschnittlichen Warenkorb. Planen Sie Retouren von Anfang an ein: klare Anleitung, vorbereitetes Etikett, schnelle Erstattung. Gängige Partner sind DHL, Hermes, DPD und GLS; Versandtools wie Shipcloud oder Sendcloud sparen Zeit beim Etikettendruck.
Schritt 5: Produktseiten, die verkaufen
- Mehrere große, echte Produktfotos — auch im Einsatz
- Eigene Produkttexte statt kopierter Herstellerbeschreibungen (wichtig für SEO)
- Lieferzeit, Versandkosten und Rückgabe direkt sichtbar
- Bewertungen und Vertrauenssiegel
- Schnelle Ladezeit auf dem Smartphone — jede Sekunde kostet Umsatz
Was kostet ein Onlineshop?
Ein einfacher Shop auf Shopify-Basis mit Einrichtung durch eine Agentur kostet am Markt etwa 3.000–8.000 €, ein individueller Shop mit Anbindungen an Warenwirtschaft oder ERP 10.000–25.000 € und mehr. Dazu kommen Gebühren für Shopsystem, Zahlungsanbieter, Rechtstexte und Wartung. Onlineshops setzen wir im Paket GROW PRO um, ab 4.900 € — mit Festpreis nach dem Erstgespräch. Eine Übersicht über Website-Kosten insgesamt finden Sie hier.
- Brauche ich ein Gewerbe für einen Onlineshop?
- Ja, wer regelmäßig mit Gewinnabsicht verkauft, muss ein Gewerbe anmelden. Für die steuerliche Seite (Kleinunternehmerregelung, OSS-Verfahren bei EU-Verkäufen) sprechen Sie am besten mit Ihrer Steuerberatung.
- Wie lange dauert es, bis mein Shop online ist?
- Ein Shop mit überschaubarem Sortiment ist in drei bis sechs Wochen startklar. Die meiste Zeit fließt erfahrungsgemäß in Produktdaten, Fotos und Rechtstexte.
- Kann ich zusätzlich auf Amazon oder eBay verkaufen?
- Ja. Viele Shopsysteme synchronisieren Produkte und Bestände mit Marktplätzen. Der eigene Shop bleibt aber wichtig, weil Sie dort Marge und Kundenbeziehung behalten.
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